Gemeinschaftliche Energieversorgung: Wie mehrere Haushalte von einer PV-Anlage profitieren

Vergleich der gemeinschaftlichen PV-Modelle
| Modell | Für wen | Wie es funktioniert | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Mieterstrom (§ 21 EEG) | Vermieter + Mieter | Vermieter baut PV, verkauft Strom günstig an Mieter (max. 90% des Grundversorgerpreises) | Mieter: günstiger Strom; Vermieter: Mieterstromzuschlag ca. 1,5 Ct/kWh |
| Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (§ 42b EnWG, neu 2024) | WEG / Eigentümergemeinschaft | Mehrere Wohneinheiten teilen PV-Strom aus einer Anlage | Einfachere Abrechnung als Mieterstrom |
| Bürger-Energiegemeinschaft (§ 42c EnWG) | Mehrere Grundstücke im Netz | Strom wird über das öffentliche Netz weitergeleitet und anteilig gutgeschrieben | Große Anlagen möglich |
| WEG-Beschluss PV (§ 20 WEG) | Eigentümergemeinschaft | Gemeinschaft beschließt PV-Anlage für Gemeinschaftsdach | Einfache Mehrheit reicht seit 2020 |
Mieterstrom: Das wichtigste Modell für Mehrfamilienhäuser
Beim Mieterstrom-Modell baut der Vermieter eine PV-Anlage auf dem Dach und verkauft den Solarstrom direkt an die Mieter des Gebäudes. Der Preis darf maximal 90% des lokalen Grundversorger-Stromangebots betragen. Für nicht verbrauchten Strom wird die reguläre Einspeisevergütung gezahlt. Zusätzlich erhalten Vermieter einen Mieterstromzuschlag von ca. 1,5 Ct/kWh eingespeisten Mieterstrom. Der Verwaltungsaufwand ist höher als bei normaler PV — ein Energiedienstleister kann das übernehmen.
Voraussetzungen für gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV)
- ✓Alle teilnehmenden Wohneinheiten müssen im selben Gebäude liegen.
- ✓Separate Messeinrichtung pro Wohneinheit (Smart Meter) notwendig.
- ✓Eintragung beim lokalen Netzbetreiber erforderlich.
- ✓Abrechnung kann monatlich oder vierteljährlich über den Netzbetreiber laufen.
- ✓Überschussstrom wird normal eingespeist und vergütet.
Solar-Rendite für Mieterstrom-Anlagen berechnen
Planen Sie als Vermieter eine PV-Anlage mit Mieterstrom? Unser Solar-Rendite-Rechner unter /solar-rendite-rechner/ hilft bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung.
Für Mieter: Wie komme ich an günstigen Solarstrom?
Als Mieter können Sie Ihren Vermieter auf Mieterstrom-Modelle ansprechen. Wenn das Dach geeignet ist und der Vermieter zustimmt, profitieren beide Seiten. Alternativ: Energiegemeinschaften in Ihrer Region (oft organisiert von Stadtwerken oder Energiegenossenschaften). Einfachste Option: Direkter Öko-Stromtarif vom Energieversorger — kein eigenes Dach nötig, aber kein lokaler Solar-Strom.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich als Mieter von einer PV-Anlage profitieren?▼
Ja. Wenn Ihr Vermieter eine Mieterstrom-Anlage betreibt, können Sie günstigeren Solar-Strom direkt aus dem Gebäude beziehen. Alternativ: Gemeinschaftliche Energieversorgungsmodelle oder einfach ein Öko-Stromtarif.
Was ist die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV)?▼
Die GGV ist ein neues Modell (Solarpaket I 2024), das es ermöglicht, dass mehrere Wohneinheiten in einem Gebäude PV-Strom von einer gemeinsamen Anlage beziehen — ohne die komplizierte Mieterstrom-Lizenz. Abrechnung läuft über den Netzbetreiber.
Wie viel günstiger ist Mieterstrom für Mieter?▼
Mieterstrom darf max. 90% des Grundversorger-Preises kosten. Wenn der Grundversorger 32 Ct/kWh berechnet, darf Mieterstrom max. 28,8 Ct/kWh kosten — ca. 10% günstiger. Der tatsächliche Strom-Eigenverbrauchs-Anteil ist für den Mieter oft 20–30% billiger als Netzbezug.
Brauche ich als WEG eine Genehmigung für eine PV-Anlage?▼
Seit der WEG-Reform 2020 reicht eine einfache Mehrheit der Eigentümer für die Installation einer PV-Anlage auf dem Gemeinschaftsdach. Der WEG-Beschluss muss ordnungsgemäß in der Eigentümerversammlung gefasst werden.
Kann ich PV-Strom an den Nachbarn verkaufen?▼
Über das öffentliche Stromnetz ist das kompliziert (Energiehandels-Lizenz nötig). Direkt über ein Kabel (z.B. wenn Grundstücke nebeneinanderliegen) ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, aber rechtlich komplex. Einfacher: Energiegemeinschaft gründen, die diesen Rahmen rechtlich sauber löst.