Wärmepumpe: Welche Vorlauftemperatur brauche ich — und wann reichen Heizkörper?

JAZ in Abhängigkeit von der Vorlauftemperatur
| Vorlauftemperatur | Typische JAZ | Empfehlung |
|---|---|---|
| 35°C | 4,5–5,0 | Ideal (Fußbodenheizung, sehr gute Dämmung) |
| 45°C | 3,5–4,0 | Gut (teilsanierter Altbau mit FBH oder großen HK) |
| 55°C | 3,0–3,5 | Akzeptabel (Altbau mit angepassten Heizkörpern) |
| 65°C | 2,0–2,5 | Schlecht (wirtschaftlich kaum sinnvoll) |
| > 70°C | < 2,0 | Unwirtschaftlich — WP ungeeignet oder Haus muss gedämmt werden |
Wie prüfe ich, ob meine Heizkörper für 50°C Vorlauf reichen?
Ein Heizkörper ist für eine bestimmte Heizleistung bei einer bestimmten Vorlauftemperatur ausgelegt (meist 70/55°C oder 75/65°C nach DIN-Norm). Bei niedrigerer Vorlauftemperatur sinkt die Leistung. Faustformel: Bei halber Temperaturdifferenz (ΔT) halbe Leistung. Praktisch: Haben Sie an einem sehr kalten Tag (-10°C außen) mit 55°C Vorlauf angenehme 20°C im Raum? Dann funktioniert es. Test: Hydraulischen Abgleich durchführen, Heizkörper auf Maximum öffnen, bei -5°C Raumtemperatur prüfen.
Wann müssen Heizkörper getauscht werden?
- ✓Heizkörper zu klein: Der Raum wird bei 55°C Vorlauf und -10°C außen nicht warm. Lösung: Größeren Heizkörper oder Niedertemperatur-Heizkörper (Wärmepumpen-HK).
- ✓Heizkörper > 30 Jahre alt: Alte Stahlheizkörper können undicht werden oder haben schlechte Abgabeleistung. Nachrüstung lohnt oft.
- ✓Einrohrsystem: Dieses alte System kann nur schwer auf Niedertemperatur umgestellt werden — oft Systemwechsel oder Bypass erforderlich.
- ✓Gebäude-Heizlast zu hoch: Wenn das Haus schlecht gedämmt ist und selbst größere Heizkörper nicht ausreichen, muss zuerst das Gebäude gedämmt werden.
Heizlast berechnen lassen
Ein Heizungsplaner berechnet die Heizlast Ihres Gebäudes (nach EN 12831) und die nötige Vorlauftemperatur für Ihre Heizkörper. Das ist Pflicht vor WP-Einbau. Erste Einschätzung: /heizungs-rechner/
Hydraulischer Abgleich: Der Schlüssel zu niedrigen Vorlauftemperaturen
Oft können Heizkörper nicht getauscht werden — aber mit einem hydraulischen Abgleich (Verfahren B, ca. 800–2.500 EUR, 15–20% BAFA-Förderung) wird die Heizungsanlage optimal eingestellt. Ergebnis: Die Vorlauftemperatur kann oft um 5–10°C gesenkt werden, ohne dass Räume kalt bleiben. Das verbessert die JAZ um ca. 0,5–1,0 Punkte.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann eine Wärmepumpe mit alten Heizkörpern betrieben werden?▼
Ja, oft ja — aber mit Einschränkungen. Die Vorlauftemperatur muss auf 50–55°C begrenzbar sein. Das erfordert: gut gedämmtes Gebäude oder ausreichend dimensionierte Heizkörper, hydraulischen Abgleich, und moderne Wärmepumpenregelung. Ein Heizungsplaner sollte die Heizlast berechnen.
Was ist die ideale Vorlauftemperatur für eine Wärmepumpe?▼
Idealerweise 35–45°C für maximale Effizienz (JAZ 4,0–4,5+). Bei Fußbodenheizung sind 35–40°C standard. Für Heizkörper-Systeme sind 45–55°C realistisch und wirtschaftlich akzeptabel (JAZ 3,0–3,5).
Wie teuer sind Wärmepumpen-Heizkörper?▼
Niedertemperatur-Heizkörper (Wärmepumpen-Heizkörper) kosten je nach Größe 200–800 EUR pro Stück plus Montage (150–300 EUR/Stück). Für ein EFH mit 8–10 Heizkörpern: ca. 3.000–10.000 EUR Gesamtkosten. Diese Kosten sind BAFA-förderfähig als Teil der Heizungsoptimierung.
Was ist der hydraulische Abgleich und was kostet er?▼
Der hydraulische Abgleich stellt sicher, dass alle Heizkörper gleichmäßig mit Wärme versorgt werden (kein Heizkörper bekommt zu viel, keiner zu wenig Durchfluss). Kosten: 800–2.500 EUR für ein EFH. Förderung: 15–20% BAFA. Er reduziert die nötige Vorlauftemperatur um typischerweise 5–10°C.
Was passiert, wenn die Wärmepumpe zu hohe Vorlauftemperaturen braucht?▼
Bei nötigen Vorlauftemperaturen über 60°C sinkt die JAZ unter 2,5. Das bedeutet: Die Betriebskosten der Wärmepumpe sind kaum niedriger als bei einer Gasheizung. In diesem Fall: Zuerst Gebäude dämmen, dann Wärmepumpe einbauen. Oder: Hybridheizung (Gas + WP) als Übergangslösung.